Der Superyacht-Markt hat sich bei 40 Metern gespalten
Der Wert der Verkäufe großer Yachten steigt, während mehr als 2.000 kleinere unverkauft liegen und die Preissenkungen sich häufen. Was die Zahlen darüber sagen, wer noch Geld ausgibt.

Der Superyacht-Markt lieferte in diesem Sommer zwei Schlagzeilen, die sich zu widersprechen scheinen. Erstens: Der Wert der im ersten Halbjahr 2026 verkauften Gebrauchtyachten stieg um 15 Prozent auf 3,51 Milliarden Dollar. Zweitens: Die Zahl der Verkäufe sank um 8 Prozent, während die Zahl der Preissenkungen zunahm.
Beides stimmt. Grob gesagt verkaufen sich Boote über 40 Meter gut, die darunter nicht.
Oben ein Verkäufermarkt
Laut dem Halbjahresbericht des Maklers Northrop & Johnson wechselten im ersten Halbjahr 326 Gebrauchtyachten den Besitzer, im Schnitt für rund 10,8 Millionen Dollar, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der größte Einzelverkauf war MOONRISE, eine fast 100 Meter lange Feadship, die nach 159 Tagen am Markt für 376,77 Millionen Dollar verkauft wurde.
„Wenn etwas Großes über 60 Meter und aus jüngerer Bauzeit verfügbar wird, ist es binnen Wochen weg“, sagte Simon Goldsworthy von IYC dem Magazin Superyacht Investor. Das Segment von 40 bis 60 Metern befindet sich laut dem Makler AJ Blackmon in „einer kontrollierten Boomphase“.
Der Neubau weist in dieselbe Richtung. Weltweit sind rund 936 Yachten im Bau, und obwohl die Neubauverkäufe insgesamt von 177 auf 142 im ersten Halbjahr fielen, wuchs das Segment von 30 bis 40 Metern um 18 Prozent. Italien dominiert mit 519 Yachten im Bau auf 41 Werften.
Weiter unten ein Käufermarkt
Unterhalb der Spitze sieht das Bild ganz anders aus. Am 1. Juli standen 2.157 Gebrauchtyachten zum Verkauf, 17 Prozent der Weltflotte, mit einem zusammengerechneten Angebotspreis von 18,8 Milliarden Dollar. Die Inserate verzeichneten im ersten Halbjahr 1.117 Preissenkungen, rund 6 Prozent mehr.
Yachten im Alter von 25 bis 29 Jahren bleiben am längsten am Markt und erhalten die tiefsten Abschläge. In der Klasse von 5 bis 15 Millionen Euro gibt es nach Angaben von Maklern schlicht mehr Boote als Käufer.
Die monatliche Liste der größten Preissenkungen von Boat International zeigt, wie das in der Praxis aussieht. Im August wurde eine zwei Jahre alte 35-Meter-Pershing um 1,5 Millionen Euro reduziert und eine drei Jahre alte 44-Meter-Canados um fast 1,9 Millionen.
Das sind fast neue Boote, vermutlich nahe dem Nach-Pandemie-Höchststand gekauft, und ihre Eigner finden gerade heraus, was der Gebrauchtmarkt zahlt.
Warum die Spaltung?
Käufer der größten Yachten sind Milliardäre, deren Vermögen insgesamt mit den Aktienmärkten kräftig gewachsen ist; sie reagieren kaum auf Zinsen oder Betriebskosten. Käufer von 30-Meter-Yachten sind häufiger bloß wohlhabend, und für sie sind Crew, Liegeplatz im Mittelmeer und Werftaufenthalt zusammen eine echte jährliche Ausgabe.
Sie waren auch die Käufer, die 2021 und 2022 in den Markt drängten.
Hinzu kommt ein Angebotseffekt. Ein stetiger Strom von Neubau-Ablieferungen hat ältere Yachten in den Maklermarkt gedrückt, weil Eigner aufsteigen, und der Preisabstand zwischen einer neuen und einer gebrauchten Yacht ist größer geworden.
Die Charternachfrage bleibt solide; die Charterstarts im ersten Halbjahr stiegen um 36 Prozent. Für Eigner mittelgroßer Boote ist das Verchartern zu einem Weg geworden, die Kosten zu decken, während sie auf einen Käufer warten.
Für Käufer liegen die besten Angebote jetzt in genau der Größenklasse, die vor drei Jahren am schwersten zu finden war. Eine wenige Jahre alte 35-Meter-Motoryacht ist Verhandlungssache. Für eine 90-Meter-Feadship steht man immer noch Schlange.
Quellen
- Northrop & Johnson: Q2 2026 superyacht market report
- Boat International: the biggest superyacht price drops of August 2026
- Superyacht Investor: hot or not, market forecasts in 2026
Titelbild: Mike is Michi, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Zugeschnitten.
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